Stille Wasser sind attraktiv, Julia Engelmann

» 12.11.2016  0 Federgrüße «

Ein wenig Stoff zum nachdenken :)
 

Meerjungfrauen
Meerjungfrauen sind laut Wikipedia Fabelwesen, deren charakteristisches Merkmal eine sogenannte Erlösebedürftigkeit ist, das heißt, sie können nur durch die Liebe eines Menschen befreit werden.
Ich bin ein Nerd. Aber kein, kein schicker Hipster, mehr ein Vieldenker, voll Hirngespinster. Ich surf' auf keiner Modeklischee-Retrowelle, ich surf' im Internet.
Bücher zu lesen und Texte zu schreiben, und manchmal habe ich das Gefühl, ich bin anders und allein.
Keiner scheint mir ähnlich und keiner scheint mir nah zu sein, manchmal hab ich das Gefühl, niemand ist wie ich.

Ein'n Platz an den ich passe, den, den gibt es für mich nicht.
Aber, warum fühl ich mich anders?
Und, und, und, was muss noch passieren, ich mein, was mach' ich falsch, ich will doch nur dazu gehören?
Aber, "wozu" denn gehören?
Und, und was soll das denn heißen, weil wir alle doch anders und dadurch wieder gleich sind.
Vielleicht geht's nicht um das, was uns trennt, sondern um das, was wir gemeinsam haben.
Vielleicht geht's darum, dass wir uns kennen, mehr als darum, dass wir mal einsam waren.
Weil es geht doch um den Inhalt, viel mehr als um die Form.
Es geht doch um deinen Einzelfall, viel mehr als um die Norm.
Es geht doch um, geht um Fantasie, und vor allem geht's um's "Was" vielmehr als um das "Wie".

Was soll das überhaupt heißen?
"Jemand ist sonderbar und eigenartig", das sind doch bloß Synonyme für "besonders" und für "einzigartig".
Jemand sagt dir, du bist anders, dann denk dir für dich,
anders ist nicht falsch, bloß 'ne Variante von richtig.
Und wenn du vorankommen willst, musst du deinen Po bewegen, musst deinen ärgsten Erzängsten tief in die Augen sehen!
Wenn du wo ankommen willst, musst du über härtesten Schmerzgrenzen dich über den derbsten Berg kämpfen und noch einen Schritt weiter gehen.
Und es geht nicht drum, wie hoch du springen kannst, sondern, wie hoch du glaubst, dass du springen kannst.
Es geht nicht um Physik, es geht um Fantasie.
Vor allem geht's um's "Was" vielmehr als um das "Wie".

Und wer andere abgrenzt, grenzt sich selber ein.
Wer andere schwach macht, glaubt nicht, stark zu sein.
Ich, ich mach mein Herz weit und lass Leben rein, weil ich dran glaube, gut genug zu sein.
Und dann treff ich dich, und du siehst mich.
Und du nimmst mich, weil du bist bei mir und du machst die Sicht klar, machst mich wahrhaftig, machst mich sichtbar.
Es gibt so viele Formeln, es ist so vieles berechenbar,
aber wir sind zwei Variablen, mit denen nicht zu rechnen war, und ich finde meinen Platz. Und ich finde meinen Raum.
In der kleinsten gemeinsamen Schnittmenge aus, aus deiner und aus meiner Welt, wir sind unser kleinstes gemeinsames Vielfaches, wir sind das, was uns zusammen hält und auf den ersten Blick bin ich vielleicht nicht so cool,
für manche vielleicht sogar langweilig, aber ich hör dir gern beim Reden zu und ich mag deinen Klang, weil ich dich mag und wie wir die Welt für uns drehen. Und dadurch wirst du für mich schön.

Wir beide sind so viel mehr als die Summe uns'rer Teile.
Wir beide sind so viel mehr als die Stunden, die wir teilen,
wir beide sind so viel mehr, wir beide sind so wie Meerjungfrauen, deren charakteristisches Merkmal eine sogenannte Erlösebedürftigkeit ist, das heißt, sie können nur durch die Liebe eines Menschen befreit werden.
Vielleicht bist du dieser Mensch für mich.

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